Die Magie von Süßigkeiten … Büro-Psychologie

Die Washington Post veröffentlichte im Februar einen faszinierenden Artikel von Bonnie Berkowitz über die Psychologie hinter der Süßigkeitenschale im Büro. Die Redaktion hatte dazu ein 10-wöchiges Experiment in ihren eigenen Räumen durchgeführt.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, auch ich habe meine Erfahrungen im Verteilen von Süßigkeiten gemacht.

Doch dazu später.

 

Der Redaktionsversuch mit dem Glas mit Süßigkeiten

Der Selbstversuch zeigte zunächst einige offensichtliche Ergebnisse:

  • Schokolade ist sehr beliebt,
  • in stressigen Situationen wird mehr Süßes gegessen
  • nicht jeder mag süßes Popcorn.

Richtig faszierend waren jedoch die Beobachtungen, wie sich die Kollegen in der Nähe der Schale mit den begehrten Süßigkeiten verhielten. Die Schale stand auf einem Schränkchen dicht beim edlen Spender Kevin. War Kevin anwesend, waren die Reaktionen anders als während seiner Abwesenheit.

War Kevin anwesend gab jeder, der sich etwas nehmen wollte, irgendeine Form von Geräusch von sich wie  ‚ooooh‘ oder ‚mmmmh‘. Einige Kollegen fragten höflich, ob sie sich bedienen dürften. Andere griffen zu und erklärten, warum sie gerade keines nehmen sollten.

Süßigkeiten im Büro

Alexas_Fotos / Pixabay

Der Neurowissenschaftler Gary Wenk erklärt das so: Kevins Anwesenheit machte eine Entscheidung zur Nahrungsaufnahme komplizierter. Die Kollegen mussten sich entscheiden, ob der Austausch mit Kevin die Süßigkeit wert war oder nicht und wenn ja, dann in welcher Form?

Wenk führt aus, dass wir „bereit sein müssen in den persönlichen Raum des anderen einzudringen, damit wir uns eine der angebotenen Süßigkeiten nehmen können“. Wir müssen zu dem Schluss kommen: „Ich bin es mir wert und ich werde zu Dir rüber kommen und mit Dir sprechen“.

Geschlecht, Alter, Status, Attraktivität, Auftreten und Selbstwertgefühl von Geber und Nehmer spielen mit in diesen Entscheidungsprozess hinein. Die Reaktionen wären andere, wenn Kevin durch einen kräftigen Biker in Kutte oder ein knuddeliges Kleinkind ersetzt würde.

„Zwischenmenschliche Risikoabschätzungen erklären, warum niemand das letzte Stück nehmen möchte oder zumindest nicht dabei gesehen werden möchte“. Im Experiment wurde nicht ein einziges Mal das letzte Stück während Kevins Anwesenheit genommen.

Können wir auf Dankbarkeit der Kollegen hoffen, wenn wir eine Schale mit Süßigkeiten im Büro aufstellen?

Mitnichten!

Im Redaktionsversuch musste sich Spender Kevin auch Kommentare wie: „Hast Du nichts mehr da?“, „Die mag niemand“, „Schmeckt nach Kreide“ und ähnliches anhören.

Dennoch, an den meisten Arbeitsorten gibt es sie, die Kollegen, die bereitwillig ihre süßen Schätze offen auf dem Tisch teilen.

Warum tun sie das?

 

Warum die Geber geben

Die Redaktion fand heraus, dass von den 700 Kollegen der Nachrichtenabteilung mindestens 26 Süßigkeiten zum Selbstbedienen auf ihrem Schreibtisch anboten. Fünf davon sogar schon über 10 Jahre.

Süßigkeiten am Arbeitsplatz

Daria-Yakovleva / Pixabay

Einige Spender berichteten, dass sie damit ihre eigene Lust auf Süßes befriedigten – (kenne ich auch). Andere berichteten, „sie kauften mit Absicht Süßigkeiten, die sie selbst nicht mögen, damit sie sie nicht alleine aufessen. Wieder andere jammerten, dass einige Kollegen immer nur nehmen würden. Das hielt diese Kollegen jedoch nicht davon ab, weiterhin zu geben.

Also warum tun sie das?

Laut Olivia (Mandy) O’Neill ist das Anbieten von Süßigkeiten für neue Kollegen eine Möglichkeit die anderen Kollegen kennen zu lernen. Das war wohl auch Kevins ursprüngliche Motivation gleich gefolgt von: „niemand würde den Kerl mit den Süßigkeiten feuern“. Eine andere Intention könnte sein, Zugang zu bestimmten sozialen Netzwerken zu finden, so O’Neill.

Führungskräfte nutzen mitunter Süßes um zwanglos Gespräche anzuregen. Oder auch, weil sich schwierige Gespräche besser führen lassen, wenn unser Hirn sich im ‚Zuckerrausch‘ befindet und ‚Wohlfühl-Hormone‘ ausschüttet.

 

Zurück zum Anfang

Warum ich Süßigkeiten verteilt habe:

Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn, als Tontechnikerin, hatte ich immer Süßigkeiten zum Selbstbedienen offen im Studio liegen. Diese zähen, süßen, klebrigen Dinger mit Schokolade drum herum.

Ja, ich mag sie. Das war es nicht. Ich mag auch anderes.

Aber in diesem Fall musste es zäh, süß und klebrig sein.

Warum?

Ich war einfach super unsicher. Ich beherrschte mein Handwerk noch nicht vollständig und musste mich erst in die Abläufe einfinden.

Hatten die Sprecher, Moderatoren, Redakteure und Sendeleitungen erst einmal diese zähen, süßen, klebrigen Schokostücke zwischen den Zähnen, waren sie – so bildete ich mir ein – milder gestimmt, fielen Kritik und Urteil weicher aus.

War das wirklich so? Keine Ahnung!

War ich damit erfolgreich?

In meiner Vorstellung schon. Und darauf kommt es an!

Ich konnte mir beruhigter und zuversichtlicher die notwendige Geschicklichkeit und Erfahrung erarbeiten.

Alternative Erklärung: Es war der Zuckerrausch in meinem Hirn, der mir geholfen hat!

 

Teile Deine Geschichte über Süßigkeiten am Arbeitsplatz und schreibe einen Kommentar.

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Beruf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Buttons anzeigen
Buttons verstecken